30 Jahre Konzertgesellschaft München e.V.


Auszüge aus der Laudatio
von Axel Brüggemann:

....  Als der Beginn der Konzertgesellschaft München am 15. Juli 1987 mit einem Festkonzert im Kirchensaal des Bayerischen Nationalmuseums gefeiert wurde, waren Helmut Pauli und Johann Georg Prinz von Hohenzollern Pioniere. Ihre Mission war es, private Verantwortung für die Förderung der Musik zu übernehmen. Das war revolutionär, denn noch waren die Ausläufer der „goldenen Ära der Klassik“ zu spüren und staatliche Subventionen für Orchester und Opernhäuser schienen sicher. Private Mäzene und bürgerliches Engagement wurden eher skeptisch betrachtet.

Heute, 30 Jahre nach Gründung der Konzertgesellschaft, sieht die Sache anders aus. ...
– und ohne die Konzertgesellschaft München würden das kulturelle Leben und die Nachwuchsförderung in Bayern anders aussehen.

Die Konzertgesellschaft München hat diese Entwicklung bereits vor 30 Jahren vorausgesehen. Aber selten war ihr Engagement so wichtig wie heute: 400 Mitglieder haben sich der Förderung von Musik verschrieben, durch die Austragung des August-Everding-Musikwettbewerbs Musikwettbewerbs und des internationalen Gesangwettbewerbs Vokal genial. Über 100 junge und hochtalentierte Musiker wurden in den letzten 30 Jahren mit Preisgeldern ausgezeichnet und konnten für ihre Karriere auf das große Netzwerk der Konzertgesellschaft zurückgreifen. Die Münchner Bach-Tradition wird ebenso gefördert wie die Musik im Originalklang. Und natürlich stellt die Konzertgesellschaft Klassik und Jazz immer wieder in den öffentlichen Raum, unter anderem durch die Odeonkonzerte, das Jazzprojekt „Feindsender“ und durch Kooperationen mit bayerischen Musikhochschulen und Gymnasien.

Die Konzertgesellschaft München trauert um ihren ehemaligen Präsidenten

19.03.2016: “Gedenkkonzert” für S.D. Dr. Johann Georg Prinz von Hohenzollern

Die Konzertgesellschaft München mit ihren Mitgliedern trauert um ihren langjährigen Präsidenten Dr. Johann Georg Prinz von Hohenzollern, der am 2. März 2016 verstorben ist.

Der Musikstandort München und Bayern verliert mit Dr. Johann Georg Prinz von Hohenzollern einen leidenschaftlichen und höchst engagierten Förderer klassischer Musik. Für den Prinzen bedeutete gerade die Förderung von hochbegabten jungen Musikern eine "Investition in die Zukunft“, wie er so oft in seinen Reden betonte. Musik spielt im Hause Hohenzollern eine wichtige Rolle. 

So gründete er zusammen mit Helmut Pauli die angesehene Konzertgesellschaft München, die erstmals die wegweisenden Dirigenten, Ensembles und Chöre der Alten Musik-Szene nach München brachte. Die Konzerte im Originalklang sind heute ein Wegweiser für die moderne Interpretation und in München nicht mehr aus dem Musikleben weg zu denken. Der Internationale Gesangswettbewerb Vokal genial in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk sowie der August Everding Wettbewerb für Instrumentalisten hatte Prinz von Hohenzollern maßgeblich durch sein Werben für die Musik ins Leben gerufen.

Seine umfassende Bildung, seiner Herkunft und seine Lebensweisheit machten den Prinzen zu einem unersetzlichen Berater in allen Fragen der Kunst. So erhielt der ehemalige Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zahlreiche hohe Auszeichnungen für sein Schaffen. Zu den wichtigsten zählen: der Bayerische Verdienstorden, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, "Officier des Arts et des Lettres, Paris“ und viele mehr.

Als Präsident hat Prinz von Hohenzollern, der in der Nacht vom 2. März starb, 29 Jahre lang die Konzertgesellschaft München als Spiritus rector geleitet.

... Die Konzertgesellschaft München war schon vor 30 Jahren ein Vordenker. Anlass genug, nach 30 Jahren Bilanz zu ziehen. Jedes bürgerliche Engagement für die Kultur stellt die Bedeutung der Kultur in unserer Gesellschaft unter Beweis.

... Gemeinnützige Vereine wie die Konzertgesellschaft sind deshalb wichtig, weil sie die kulturelle Grundversorgung des Staates bereichern, weil sie Netzwerke schaffen, für die Bedeutung von Kunst und Kultur in der Öffentlichkeit werben und die musikalische Spitze fördern. Es wäre ein Missverständnis, das Engagement der Konzertgesellschaft als Ersatz zur staatlichen Förderung zu verstehen.

Das Gegenteil ist der Fall: Wenn wir die Strukturen unseres Musikbetriebes analysieren wie die Musik selber, als Entwicklung der Vergangenheit in die Gegenwart und weiter in die Zukunft, zeigt die Konzertgesellschaft, dass sie mit ihrer Gründung eine uralte Idee der bürgerlichen Kulturbeteiligung – gegen viele Widerstände – reaktiviert hat und heute eine der wichtigsten Mahnerinnen dafür ist, dass die Kultur in einer Stadt wie München, in einem Bundesland wie Bayern und in einer Nation wie Deutschland tief verankert ist. Dass Kultur eine Grundlage unseres Gemeinwesens war, ist und sein wird, und dass die Bürger bereit sind, diesen Glauben mitzutragen und dafür immer auch die Politik in die Verantwortung nehmen werden.

 

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